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01.12.2025:
Nur zur Auffrischung: Schleifband mit Achtzigerkörnung ist zur Hautpflege nach wie vor ungeeignet.
02.12.2025:
Ich habe den Eindruck, daß die Menschen, die das Jugendwort des Jahres küren, sich vorkommen wie Biologen, die Tiefseefische im Labor untersuchen; sobald das Objekt an die Oberfläche kommt, ist es tot. Ein Tiefseefisch zerplatzt unter dem eigenen Druck, der nicht mehr gegen eine kilometerdicke Wassersäule ankämpft, und ein Jugendwort, das von Germanisten zu solchem ernannt worden ist, wird von niemandem unter einem gewissen Alter je wieder benützt werden.
03.12.2025:
Es gibt jetzt eine App, die was kann. Das ist jetzt einmal nur so geschätzt, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß das so ist.
04.12.2025:
In der gebräuchlichen Oben-ist gut-Unten-ist-schlecht-Metaphorik ist die Idee, sich etwas, zumal sowas wie eine App, herunterzuladen wenigstens fragwürdig; Da steigt etwas von oben, wo es gut ist, zu uns herunter. Wird das dann schlechter, oder dürfen wir dann ein bißchen Anteil am Himmel haben?
05.12.2025:
Es gibt ja das Bankgeheimnis. Internetbanking ist ein Bankbleibdaheimnis.
06.12.2025:
Besprechen Sie mit Ihrem Lieblingsphilologen, ob der Begriff Empfehlung daher rührt, daß da nahegelegt wird, eine Fehlstelle aufzufüllen.
07.12.2025:
Sollte Ihr Lieblingsphilologe meine gestern hier vorgebrachte abseitige Vermutung gegen alle Wahrscheinlichkeit bestätigen, dann können Sie mit ihm ja beim nächsten Treffen erörtern, wie man den Konversationsakt benennen könnte in dem angeregt wird, sich mehr anzuschaffen, wiewohl im momentanen Bestand nichts fehlt.
08.12.2025:
Sollte Ihr Lieblingsphilologe noch in Rufweite sein, dann können Sie mit ihm besprechen, wenn, was zwar nicht der Fall ist, aber kühnerdings als Denküberdehnung zulässig ist, „befehlen“ sich von „fehlen“ herleitete, ob das hieße, daß da etwas einfach weggenommen wird, oder eine Leerstelle hinzugefügt.
09.12.2025:
Wenn Ihr Lieblingsphilologe das Gespräch, das Sie auf meine Anregung hin mit ihm begangen haben, nicht durch ein inneres stumpfes Schädeltrauma katatonisch beendet hat, können Sie heute mit ihm der Frage nachgehen, ob mit „verfehlen“ eher ein unsinniger Befehl oder ein Befehl an Menschen, die mit dessen Ausführung nichts zu tun haben, gemeint sein könnte.
10.12.2025:
Wer Hautleim kennt und denkt, daß Holzleim auch Haut verkleben kann, und darin keine Merkwürdigkeit wittert, weil Holz eben häufiger verleimt wird als Haut, Holzleim also insoferne auch als Hautleim gelten kann, wird sich darüber wundern, daß es Knochenleim gibt.
11.12.2025:
Interessanterweise kennt mein Rechtschreibeprogramm keinen Hautleim. Das ist insoferne bemerkenswert, weil völlig absurde Vokabel wie „Wurmhüfte“ anstandslos akzeptiert werden, offenbar weil beide Bestandteile dieses Neologismus als gültige Weltbeschreibungsvehikel (sogar das wurde soeben durchgewunken) im rechnerinternen Vokabelvorrat vorliegen. Vielleicht hat mein Rechtschreibeprogramm etwas gegen Geigenbauer; die verwenden nämlich Hautleim.
12.12.2025:
Man kann nie zu viele Schraubzwingen haben. Notfalls muß zu deren Lagerung dann eben eine zweite Werkstatt angeschafft werden, aber es sind sicher nicht zu viele Schraubzwingen.
13.12.2025:
Minnestrone ist Gesang als Gemüsesuppe. Kommt eher selten vor.
14.12.2025:
Begleiter, die man nicht sicher hat, sind Ungefährten.
15.12.2025:
Die Anzahl möglicher Schachpartien ist ziemlich groß. Die Anzahl der Möglichkeiten, ein Deck mit zweiundfünfzig Spielkarten in Reihenfolge zu bringen ist auch echt groß, weil das ist zweiundfünfzig Faktorielle, und das ist grob acht mal zehn hoch siebenundsechzig. Nun werden Karten ja aber nicht nur gemischt und gegeben, sondern danach auch ausgespielt, und zwar in einer Reihenfolge, die sich nicht nur aus der Anordnung der Karten beim Geben bezieht, sondern aus einer gewissen Logik des jeweiligen Spiels. Wer dazu lustig ist, kann sich ausrechnen, wie viele mögliche Bridgepartien es gibt.